Profi finden

 
 

Neues EU-Verfahren gegen Microsoft

Anhaltender Streit um Web-Browser
Laut EU-Kommission verstösst der Softwarekonzern seit Februar 2011 gegen seine Verpflichtung. (Creative Commons) / Bull3t Hughes/flickr.com
Brüssel - Der Software-Riese Microsoft muss erneut eine millionenschwere Geldbusse fürchten. Die EU-Kommission wirft dem US-Konzern vor, den Windows-Nutzern nicht die versprochene freie Wahl des Browsers anzubieten.
Konkurrenten hätten sich bei der Kommission darüber beschwert, dass der US-Konzern den Nutzern auf der Startseite seines Systems nicht länger die Auswahl zwischen verschiedenen Internetbrowsern lasse, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Dienstag in Brüssel. Die EU-Kommission habe deshalb ein neues Kartellverfahren gegen Microsoft wegen unlauterer Geschäftspraktiken eröffnet.

Der Konzern halte sich nicht an seine Zusagen aus dem Jahr 2009. Sollte sich der Vorwurf erhärten, droht Microsoft eine Strafe von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes.

Microsoft teilte mit, die Ursache sei ein technischer Fehler, der sofort behoben werde. «Wir bedauern diesen Fehler zutiefst und entschuldigen uns dafür», erklärte der Konzern.

Laut EU-Kommission verstösst der Softwarekonzern seit Februar 2011 gegen seine Verpflichtung. Damals kam die Softwareaktualisierung Service Pack für Windows 7 auf den Markt.

«Als Resultat konnten 28 Millionen Nutzer den Auswahlbildschirm [mit weiteren Browsern als Alternative] nicht sehen», sagte Almunia. Der Kommissar sprach von einem einmaligen Fall: «Es ist das erste Mal, dass ein Unternehmen sich nicht an die Vorgaben der Kartellbehörden hält ... Wir nehmen das sehr ernst.»

Jahrelanger Kampf

Seit Jahren streitet Microsoft mit Brüssel um den Web-Browser. Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatten Microsoft 2009 gezwungen, Konsumenten in der EU neben dem hauseigenen Internet Explorer elf weitere Browser als Alternativen anzubieten. Zuvor installierte Microsoft standardmässig den hauseigenen Internet Explorer.

Wer einen anderen Browser nutzen wollte, musste sich die Software beschaffen. Auf einem Auswahlbildschirm sollen nun daneben auch Konkurrenten wie Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari oder Opera erscheinen. Die Verpflichtung gilt für fünf Jahre, also bis 2014.

Auf diese Weise wollte Brüssel die Vormachtstellung des Konzerns brechen - sein Windows-Marktanteil liegt bei Computern und Laptops europaweit bei über 90 Prozent. Der Marktanteil des Internet Explorers bei den Browsern ist jedoch deutlich geringer als der von Windows unter den Betriebssystemen.

Die EU-Kommission ist schon früher immer wieder gegen Microsoft vorgegangen und hat insgesamt Strafgelder von rund 1,7 Mrd. Euro verhängt. Der Kampf der Wettbewerbshüter dauert seit mehr als einem Jahrzehnt an - es war mit Abstand der spektakulärste Fall in Brüssel.

Warnschuss an Google

Das Durchgreifen ist auch ein Warnschuss an Google. Die Kommission hatte Ende 2010 ein Verfahren gegen den Internet-Riesen eröffnet. Mehrere Konkurrenten, darunter Microsoft, hatten sich über restriktive Geschäftspraktiken beschwert.

Google soll ebenfalls seine Marktmacht missbrauchen. Die Suchmaschine rücke auf unfaire Weise Google-eigene Dienste in den Vordergrund. Auch schliesse Google Knebelverträge mit Werbekunden ab, so dass diese keine Anzeigen mehr bei anderen Anbietern schalten könnten, hatte die Kommission moniert.

(bert/sda)
publiziert: Dienstag, 17. Juli 2012 / 13:39 Uhr , aktualisiert: Dienstag, 17. Juli 2012 / 16:02 Uhr

Lesen Sie hier mehr zum Thema

Kampf der Browser

IE Nummer Eins - Chrome auf dem Vormarsch

Der zweite Platz des Firefox bei der Nutzung von Browsern ist in Gefahr. Diese geht vom Google Chrome aus, denn der Browser hat seine Arme nach dem Zweitplatzierten ausgestreckt. Der Internet Explorer belegt mit einem guten Abstand immer noch den ersten Platz.
weiterlesen
Langsame Fortschritte im Online-Geschäft

Microsoft-Chef erhält gekürzten Bonus

Redmond - Der Microsoft-Verwaltungsrat ist mit der Leistung von Konzernchef Steve Ballmer nicht komplett zufrieden - und lässt ihn das auch mit einer kleineren Bonuszahlung spüren.
weiterlesen
Gefährliche Schwachstelle im Explorer

Microsoft-Massnahme gegen Sicherheitslücke im Internet-Explorer

Boston - Microsoft hat Nutzer seines Web-Browsers Internet Explorer aufgefordert, umgehend eine Sicherheitssoftware für das Programm zu installieren.
weiterlesen
Microsoft will EU-Auflagen umsetzen

EU: Microsoft will bei Browsern Auflagen erfüllen

Cernobbio - Microsoft hat sich nach Angaben von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia bereit erklärt, Auflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Microsoft-Chef Steve Balmer habe ihm versichert, den Forderungen sofort nachzukommen - unabhängig vom Ausgang des Kartellverfahrens.
weiterlesen
Millionenbusse bestätigt

EU-Gericht weist Microsoft-Klage ab

Luxemburg - Der amerikanische Software-Gigant Microsoft holt sich in Europa ein weiteres Mal eine blutige Nase. Der Europäische Gerichtshof hat eine millionenschwere Kartellstrafe gegen das Unternehmen bestätigt und die Gegenargumente von Microsoft für nichtig erklärt.
weiterlesen
Gefahr droht

Microsoft stellt für ältere Produkte den Support ein

Bern, 16.12.2019 - Gemäss einer Mitteilung von Microsoft werden am 14. Januar 2020 für verschiedene ältere Produkte der Support und somit die Updates eingestellt. Betroffen sind folgende Produkte: Betriebssystem «Windows 7», «Windows Server 2008» und «Windows Server 2008 R2».
weiterlesen
ZHAW - Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften

Die Schweiz hat Nachholbedarf im Bereich Digital Health

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen belegt die Schweiz im internationalen Vergleich die hinteren Plätze. Um Ränge gutzumachen, müssten Entscheidungsträger den digitalen Wandel aktiver mitgestalten, so das Fazit einer neuen ZHAW-Studie.
weiterlesen
IFR stellt neuen Statistikbericht World Robotics vor

Service-Roboter: Weltweiter Verkaufswert erreicht 12,9 Milliarden US-Dollar

Der Umsatz mit Servicerobotern für den PROFESSIONELLEN Einsatz stieg um 32 Prozent auf 9,2 Milliarden US-Dollar.
weiterlesen
Judith Bellaiche vertritt die ICT Branche

Swico Geschäftsführerin für den Nationalrat nominiert

Kürzlich wurde die neue Geschäftsführerin von Swico, Judith Bellaiche, von ihrer Partei als Nationalratskandidatin nominiert. Der Vorstand freut sich - und hofft auf ein positives Wahlergebnis.
weiterlesen
Plattform für Kreative

Der Weltraum - Neuer Makerspace in der Ostschweiz

St. Gallen - Am 28. Oktober 2019 wird der Weltraum an der Fürstenlandstrasse 103 eröffnet. Es ist ein Makerspace, ein Treffpunkt, ein Co-Working für Kreative und ein Ort der Inspiration. Der Weltraum ist ein vielseitiges Konzept mit dem Ziel Entwicklern, Kreativen, Techies und Selbstständigen eine Plattform zum Arbeiten und Austauschen zu bieten.
weiterlesen
Bestenliste 2018

Die erfolgreichsten App-Dienstleister bei «Best of Swiss Apps»

Analog zur Bestenliste im Rahmen der «Best of Swiss Web Awards» gibt es auch für «Best of Swiss Apps» eine Rangliste der Anbieter mit den meisten Punkten. Diese jährlich veröffentlichte ausführliche Darstellung der Schweizer Apps-Branche basiert auf dem Medaillenspiegel aller «Best of Swiss Apps»-Editionen. Die Bestenlisten von 'Best of Swiss Apps' und 'Best of Swiss Web' stehen jeweils für sich.
weiterlesen
Best of Swiss Apps 2017

«Go! So einfach geht Taxi» ist Master of Swiss Apps

Zürich - Der Titel Master of Swiss Apps geht dieses Jahr an «Go! So einfach geht Taxi». Neben der Krönung des Publikum-Lieblings, verfolgten die über 300 Gäste im AURA am Zürcher Paradeplatz, wie in neun Kategorien die besten App-Projekte der Schweiz ausgezeichnet wurden. Neun der insgesamt 138 Eingaben wurden mit Gold prämiert. Über alle Kategorien hinweg betrachtet konnten «INSIDE LAAX», die «BUX App» und «ewz-on» zwar die meisten Punkte sammeln - ausschlaggebend für den Mastertitel von Go! war die Gunst des Publikums.
weiterlesen
«vitrivr»

Bild- und Videosuche per Handskizze

Informatiker der Universität Basel haben ein Verfahren entwickelt, das eine Suche in Bild- und Videodatenbanken mithilfe von Handskizzen ermöglicht.
weiterlesen
WLAN-Patente verletzt

Uni zieht Apple vor Gericht

Das renommierte California Institute of Technology (Caltech) wirft dem Technologieriesen Apple vor, WLAN-Patente verletzt zu haben. In einer Klage, in der auch der Chip-Hersteller Broadcom beschuldigt wird, soll der Streit nun vor Gericht ausgefochten werden.
weiterlesen
Enorme Fehlerquote nachgewiesen

Crime-Software oft rassistisch

Software, die bei der Einstufung von Kriminellen helfen und Wiederholungstaten verhindern soll, basiert überwiegend auf rassistischen Algorithmen.
weiterlesen