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Google behauptet, dass Bing schummelt

Suche mit Google-Treffern?
Microsoft hat die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen. / flickr.com/ Robert Scoble
Die Microsoft-Suchmaschine Bing soll Treffer von Google benutzen, um die eigenen Ergebnisse zu verfeinern. Das behauptet der Suchmaschinen-Marktführer zumindest in einem ausführlichen Bericht von Blogger Danny Sullivan.
Seit der Suchmaschinen-Gigant Google immer grösser und mächtiger wird, versucht der Software-Riese Microsoft allerhand, um vom Suchmaschinen-Kuchen auch weiterhin ein Stück abzubekommen. Zum Beispiel brachte Microsoft seine neue Suchmaschine Bing an den Start, nachdem Versuche mit MSN Search oder der Suchmaschine Windows Live nicht besonders erfolgreich verlaufen sind.

Mit Bing ist Microsoft nun offenbar in eine Falle getappt, die Google in einer aufwendigen Geheimaktion für den Rivalen aufgestellt hat, um zu beweisen, dass Microsofts Suchmaschine Bing auch auf Google-Treffer zurückgreift, um die eigenen Ergebnisse zu verfeinern. Nach Angaben von Google wurde Bing dabei in mehreren Fällen ertappt.

Microsoft wies diesen Vorwurf zurück und beschuldigte Google im Gegenzug, für Verbraucher lästigen Suchmaschinen-Spam zu tolerieren, um die eigenen Gewinne zu maximieren.

Auffällige Überschneidungen

Google ging für die Veröffentlichung der Geschichte einen neuen Weg: Sie wurde nicht wie sonst üblich, einfach im Firmen-Blog veröffentlicht. sondern exklusiv an den Blogger Danny Sullivan gegeben, der sich seit 15 Jahren mit Internet-Suchmaschinen beschäftigt. Sullivan brachte in seinem Weblog Search Engine Land einen ausführlichen Bericht.

Diesem Bericht zufolge fiel Google bereits im vergangenen Oktober auf, dass es bei zwei Parametern auf einmal zu höheren Überschneidungen zwischen den beiden Suchmaschinen kam: Sowohl bei den zehn Top-Treffern und beim passendsten Ergebnis, das an oberster Stelle steht. Von da an habe Google Verdacht geschöpft, wie Sullivan unter Berufung auf Amit Singhal schrieb, der bei dem Marktführer den Suchmaschinen-Algorithmus beaufsichtigt.

Deswegen stellte Google für seinen Konkurrenten eine Falle auf: Die Treffer für mehrere sinnlose Suchanfragen wie «mbzrxpgjys» wurden manipuliert. Die Überlegung war simpel: Wenn Bing für diese Anfragen die gleichen Treffer wie Google ausgeben würde, müsste Microsoft auf irgendeine Weise auf die Google-Ergebnisse zurückgegriffen haben.

Gleiche Ergebnisse bei sinnlosen Anfragen

Nach entsprechender Vorbereitung sollten Google-Mitarbeiter die Anfragen von zuhause aus in Microsofts Browser Internet Explorer stellen und das Suchergebnis auch anklicken. Laut Sullivan dauerte es zwei Wochen, nämlich vom 17. bis 31. Dezember, bis Bing für «mbzrxpgjys» oder «hiybbprqag» die gleichen Ergebnisse wie Google anzeigte. Ab Dienstagnachmittag tauchte bei Microsofts Suchmaschine nach diesem Suchanfragen nur noch der Link zu Sullivans Artikel auf - der Blogger konnte die Darstellung aber mit Screenshots aus den Tagen davor belegen.

Google vermutet als mögliche Erklärung für dieses Phänomen, dass der Internet Explorer und die Bing-Toolbar Informationen über Suchanfragen und danach angesteuerte Websites an Microsoft weiterleiten könnten und diese Daten dann zur Verfeinerung des Such-Algorithmus genutzt werden. Google betrachte das als Schummeln, betonte Singhal. Microsoft konterte in einem Blogeintrag, dass Bing für das Ranking der Suchergebnisse mehr als 1000 verschiedene Parameter nutze - Google habe mit dem Test zu Unrecht nur einen einzelnen davon in den Vordergrund gestellt.

Dabei beliess es Microsoft auch keineswegs und ging zum Gegenangriff über: Microsoft warf dem Suchmaschinen-Marktführer vor, für Nutzer wertlose Spam-Websites in seinen Treffern zu dulden, um seine Profite zu steigern. 70 Prozent solcher Seiten führten Google-Werbung, das behauptete jedenfalls Bing-Manager Harry Shum bei einer Branchenveranstaltung. Googles ebenfalls anwesender oberster Spam-Bekämpfer Matt Cutts wies diesen Vorwurf natürlich umgehend zurück. Microsoft-Sprecher Frank Shaw legte allerdings noch eins drauf und mutmasste, Google wolle mit der ganzen Aktion nur von den laufenden Wettbewerbs-Untersuchungen ablenken. Derzeit untersucht die EU-Kommission, ob Google seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche möglicherweise missbraucht und Wettbewerber durch unfaire Praktiken behindert.

Der Grossteil der Milliardengewinne von Google kommt noch immer aus den Anzeigen, die Google im Umfeld der Suchergebnisse einblendet. Microsoft versucht schon seit Jahren mit massiven Investitionen die Dominanz von Google bei der Internet-Suche zu brechen. Aber auch mit dem Start von Bing konnte der Software-Riese Google nur wenige Prozentpunkte beim Marktanteil abringen. Der Windows-Konzern schreibt mit seinem Internet-Geschäft seit Jahren hohe Verluste.

(Marie-Anne Winter/teltarif.ch)
publiziert: Mittwoch, 2. Februar 2011 / 13:02 Uhr , aktualisiert: Mittwoch, 2. Februar 2011 / 13:03 Uhr

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